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Vom Ausmalbild zum Bauwerk: was Malen und Bauen gemeinsam haben

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Was in welchem Alter geht

Bausteine werden ungefähr ab dem ersten Geburtstag interessant, zunächst als Stapel- und Umwerfspiel. Große Steine im DUPLO-Format eignen sich ab etwa zwei Jahren, weil die doppelte Größe gut in kleine Hände passt. Erst mit rund vier Jahren ist die Feinmotorik so weit, dass die kleinen Steine sauber zusammengedrückt und wieder gelöst werden können — ungefähr dann, wenn auch das Ausmalen innerhalb der Linien gelingt. Zwischen vier und sechs Jahren entsteht das eigentlich Spannende: ein Gefühl für Konstruktion, Statik und räumliches Denken.

Feinmotorik lässt sich in vielen Formen üben — Kneten, Malen, Perlen fädeln, Bauen mit Holzklötzen oder Klemmbausteinen. Bausteine kommen dabei mit einem Zusatz: Stapeln, Sortieren und Konstruieren schulen nebenbei Konzentration und Problemlösen, weil ein Bauwerk kippt, wenn die Lösung nicht stimmt. Ein Ausmalbild kippt nie.

Dieselbe Idee, zwei Formen: erst gemalt, dann gebaut. Eigene Illustration.

Der Sprung von der Fläche in den Raum

Hier liegt der Punkt, den kaum jemand ausspricht: Ein Ausmalbild hat keine Rückseite. Ein Bauwerk schon. Kinder, die problemlos ein Haus malen, bauen dasselbe Haus oft nur als flache Wand — die Vorderansicht, aufgestellt. Dass hinter der Fassade ein Raum liegt und dass das Dach auf vier Seiten aufliegen muss, begreifen die meisten erst um die fünf, sechs Jahre herum.

Man kann diesen Sprung unterstützen, ohne zu belehren: das gemalte Haus einmal von der Seite malen lassen. Oder das gebaute Haus umdrehen und fragen, was das Kind von hinten sieht. Das klingt banal, ist aber genau die Denkbewegung, die später beim Lesen von Bauanleitungen, Karten und technischen Zeichnungen gebraucht wird.

Anleitung folgen oder frei bauen?

Beides ist nötig, und beides trainiert etwas anderes. Nach Anleitung zu bauen schult Genauigkeit, Ausdauer und das Lesen von Symbolen — es gibt genau ein richtiges Ergebnis. Frei zu bauen schult das Gegenteil: aus denselben Teilen viele Lösungen zu denken.

Praktisch bewährt hat sich die Reihenfolge Anleitung zuerst, danach frei. Wer erst eine Anleitung durchgearbeitet hat, kennt Techniken — wie man Steine versetzt, wie eine Fläche stabil wird, wie ein Winkel entsteht — und hat beim freien Bauen mehr Mittel zur Verfügung. Umgekehrt endet freies Bauen ohne Repertoire oft nach zehn Minuten in einem Turm.

Wenn nach zwanzig Minuten Schluss ist

Der häufigste Abbruchgrund ist nicht Langeweile, sondern eine von drei sehr konkreten Hürden:

• Ein Teil fehlt. Bei gebrauchten Sets fast immer der Fall. Hilfreich ist, von Anfang an zu sagen, dass ersetzt werden darf — Farbe ist kein Gesetz.

• Der Schritt ist zu groß. Wenn eine Anleitungsseite acht Teile auf einmal zeigt, hilft es, die Teile vorher gemeinsam herauszusuchen und danebenzulegen.

• Die Kiste. Der meistunterschätzte Grund. In einer großen, gemischten Steinekiste dauert das Suchen länger als das Bauen, und genau daran scheitert die Lust. Zwei flache Kisten — eine nach Farbe, eine nach Form — verändern mehr als jedes neue Set.

Von der eigenen Idee zum Bauplan

Der Moment, in dem Malen und Bauen wirklich zusammenkommen, ist der, in dem ein Kind etwas Selbstgemaltes nachbauen will. Genau da fehlt meistens die Brücke: Eine Zeichnung sagt nicht, welche Steine man braucht und in welcher Reihenfolge sie gesetzt werden.

Inzwischen lässt sich das lösen. Beim Händler Little Bricks kann man aus einer Idee oder einem hochgeladenen Foto Schritt für Schritt einen eigenen Bauplan erstellen, samt Teileliste und Druckversion — in drei Detailstufen von etwa 1.500 bis über 8.000 Steinen. Für Kinder, die gern zeichnen, ist das oft der entscheidende Anstöß: Das eigene Bild wird zu etwas, das man in die Hand nehmen kann.

Wie viele Steine braucht man wirklich?

Weniger, als der Handel nahelegt. Für freies Bauen im Kindergartenalter reichen rund 500 bis 800 gemischte Steine völlig aus, wenn genug Basisformen dabei sind: viele Zweier- und Vierer-Steine, ein paar Platten, ein paar Schrägsteine. Spezialteile sehen im Set gut aus, lassen sich aber nur in genau einem Zusammenhang verwenden. Wer nachkaufen will, kauft besser Grundformen nach als ein weiteres Themenset.

Und der Rest funktioniert wie beim Ausmalen: hinsetzen, mitmachen, nicht verbessern. Kinder bauen länger, wenn jemand danebensitzt — auch wenn dieser Jemand nichts sagt.